Der Kartoffeldruck – Alte Technik, neu belebt

Fast jeder Zweite verbindetmit den Begriffen »Drucken« oder »Drucktechniken« den Kartoffeldruck aus der Schulzeit. Wir erinnern uns: Mit einem mühsam ausgeschnittenen Kartoffelstempel und grellbunten Farben stellten wir mehr oder weniger schmückende Bilder her, die anschließend stolz den Eltern präsentiert wurden.
Denn gerade für Kindergärten und Schulen ist diese Technik kostengünstig und einfach anzuwenden, und zusätzlich macht es auch noch einen riesigen Spaß.
Und nun die gute Nachricht! Unabhängig vom Alter können auch Erwachsene Spaß daran haben, ihrer Phantasie und Kreativität freien Lauf zu lassen und schöne Dinge mit einer persönlichen, individuellen Note anzufertigen. Ein Grund mehr, um diese klassische Drucktechnik aus der Mottenkiste zu holen und gründlich abzustauben!

Kartoffeldruck Stoff

Traditionelle Knolle
Der Kartoffeldruck ist eine sehr alte Drucktechnik, die in der einschlägigen Fachliteratur als indirekter Material- und/oder Stempeltechniken bezeichnet wird.
Schon vor Beginn unserer Zeitrechnung gab es zum Beispiel in China den Brauch des „Totengeldes“, eine Art Papiergeld, dass mit kunstvollen Motiven bedruckt wurde. Damals bestand die Druckform aus Holz oder Stein.

Medizinisch wertvoll
Neben Kindergärten und Schulen wird der Kartoffeldruck auch zu therapeutische Zwecken eingesetzt, etwa im Zusammenhang mit Senioren und Demenzkranken. Gerade ältere Menschen finden schnell einen Zugang zu dieser kreativen Tätigkeit, bei der sich selbst mit motorischen Einschränkungen schnelle Erfolgserlebnisse erzielen lassen.

Fast geschenkt
Die Bandbreite an bedruckbaren Materialien und deren Anwendung ist nahezu unbegrenzt: Kissenhüllen, Geschenkpapier, Briefumschläge, Glückwunschkarten, Kunstdrucke, Namensschilder, Stoffservietten, Bücher, Postkarten, Tischläufer, Kleidungsstücke, Einkaufstaschen, Vorhänge … Ihrer Kreativität sind keinerlei Grenzen gesetzt!

Lust bekommen, wieder kreativ zu werden? Kartoffeldruck benötigt fast keine Vorbereitung und nur Material, das entweder bereits vorhanden oder schnell besorgt ist.

Kartoffel_inet8

Benötigtes Material:

  • Kartoffeln (am Besten große Knollen)
  • Wasserfester Filzstift zum Übertragen des Motivs
  • Wahlweise Backförmchen mit unterschiedlichen Motiven
  • Küchenpapier
  • Kleines Küchenmesser, oder Linolschnitt- oder Schnitzwerkzeuge
  • Gouache, Abtön-, Bastel- und Acrylfarben für Papier
  • Textilfarben für Stoffe
  • Pinsel zum Auftragen der Farben
  • Stoff und/oder Papier (Bastelkarton, Packpapier, Tonpapier, Leinen- und Büttenpapier oder Baumwoll- und Leinenstoff)

Anleitung

  1. Die Kartoffel halbieren und die Schnittfläche mit Küchenpapier sehr gründlich abtrocknen.
  2. Eventuell das Motiv mit Bleistift oder Filzstift auf die Kartoffel zeichnen.
  3. Schnelle Motive erhält man durch Plätzchen-Ausstecher, die in die Schnittseite der Kartoffel gedrückt werden. Anschließend wird das Motiv vorsichtig aus der Kartoffel herausgearbeitet.
  4. Mit dem Messer die Kontur ausschneiden, und zwar so, dass die Fläche, die später abgedruckt werden soll, erhaben stehen bleibt. Alle Flächen, die nicht mit Farbe in Berührung kommen sollen, werden etwa 5 mm tief weggeschnitten.
  5. Nun müssen die Kartoffelhälften kurz ruhen, bis die Schnittflächen angetrocknet sind.
  6. Die Farbe mit einem Pinsel auf die erhabenen Stellen des Stempels auftragen. Der Farbauftrag sollte dabei möglichst gleichmäßig und nicht zu dünn sein.
  7. Den Kartoffelstempel behutsam und gleichmäßig auf den Untergrund drücken, um das Motiv zu übertragen. Fertig!
Kartoffeldruck Hase
Kartoffeldruck Hase rot

Praxistipps:

  • Kartoffeln eignen sich eher für grobe, plakative Motive. Ebenso laden andere Gemüse- oder Obstsorten zum Experimentieren ein.
  • Als Bedruckstoff eignen sich glatte Stoffe und Papier, bei Materialien mit stark strukturierter Oberfläche sollten vorab einige Versuche gemacht werden.
  • Drücke beim Bedrucken von Papier die Stempel nicht zu stark auf, da der Stempel leicht wegrutschen kann und das Motiv verschmiert.
  • Stelle vorab einige Probedrucke her.
  • Sehr frische Kartoffeln nehmen nicht immer gleichmäßig Farbe auf, auch hier empfiehlt es sich, vorab einige Probedrucke herzustellen.
  • Die Kartoffelstempel halten bis zu zwei Tage.
  • Bitte beachte beim Bedrucken von Stoff, dass die Farbe fixiert werden muss (Herstellerangaben beachten).
Kartoffeldruck Blume
Kartoffeldruck Spirale

Tutorial Kartoffeldruck als PDF

Mehr über das Thema Drucken und den dazugehörigen Kursen auf meiner Homepage:

Quilling – Voll von der Rolle

Was ist Quilling?

Die Geschichte des Quillings geht bis in die Antike zurück, belegt ist die Technik jedoch erst ab dem 15. Jahrhundert. In der Neuzeit handelte es sich um eine Beschäftigung vornehmer Damen, die sich auf diese Weise die Zeit vertrieben. Irgendwann erreichte das »Papierkräuseln« auch die übrigen Bevölkerungsschichten und verarbeitet wurde dabei alles, was der Haushalt hergab: ausrangierte Papierschlangen, Süßigkeitenpapier oder die bunten Beilagen der Tageszeitungen. Der englische Begriff Quilling bedeutet so viel wie »Feder«, da vermutet wird, dass die Spiralen früher auf Federkielen aufgerollt wurden.


2014 entdeckte ich Quilling als Alternative für alle, die sich für Papiertechniken interessieren. Inzwischen ist das Quilling ein fester Bestandteil meiner Kurse und noch immer finden sich unzählige Fans und Gleichgesinnte, die sich von dieser süchtig machenden Technik haben infizieren lassen.

Voll aufgedreht – so funktioniert Quilling

Beim Quilling werden schmale Papierstreifen zu Spiralen aufgewickelt, die man anschließend wie eine Feder aufspringen lässt und zu dekorativen Figuren zusammenfügt.
Je nach Form werden unterschiedliche Rollen zu einer Figur zusammengesetzt. Ausgangsform ist die Spirale. Diese kann je nach Idee manuell verändert werden, zum Beispiel zu einer Träne, einer Raute usw.


Quilling – das Buch!


Quilling beruhigt

In der Verhaltensforschung bezeichnet der Begriff des Flow (englisch »Fließen, Strömen«) den mentalen Zustand völliger Vertiefung und dem Einklang mit sich selbst. Häufig beobachte ich in meinen Workshops, wie sich die Teilnehmerinnen in ihre Projekte vertiefen, begleitet von einer konzentrierten Stille, die ich mich kaum traue zu stören.

Als sehr positiv bezeichnen meine Teilnehmerinnen die Erfahrung, nach langer Zeit wieder eine Art Losgelöstsein und entspanntes Tun ohne Zeitdruck zu erfahren. Auch zeigen sie sich überrascht über das freie Erschaffen eigener Motive und Formen, da sie es nie für möglich gehalten hätten, derart kreativ zu sein.

Quilling

Was also macht Quilling zu einer beruhigenden Technik, die bestenfalls süchtig macht?

Mit »süchtig machen« ist hier nicht wie im herkömmlichen Sinne die Abhängigkeit gemeint, sondern der positive Aspekt, einen angenehmen Erlebniszustand zu erreichen. Kreatives Potenzial auszuschöpfen macht glücklich, und jeder Mensch besitzt eine kreative Ader, die er unterschiedlich ausleben kann. Quillen lässt uns für einen kurzen Moment die Alltagsgedanken abschalten.

Wer weiß, »was« und »wie« etwas zu tun ist, kann sich ganz auf das Ausführen der Tätigkeit einlassen, und deshalb ist das Erlernen der Grundtechniken so wichtig. Zusätzlich ist die kreative Arbeit mit den Händen befriedigend und ergiebig – dazu muss man nur einen Handwerker fragen, der seinen Beruf liebt.

Ein weiteres Phänomen ist das Loslösen von vorgefertigten Motiven hin zu eigenen Ideen und Figuren. Was zum Beispiel ursprünglich ein Herz werden sollte, entpuppte sich zu einem bunten Kleeblatt mit phantasievollen Verzierungen.

Auch für Kinder ist es eine spannende Technik, um aus gedrehten Papierstreifen bunte Blumen, witzige Tiere und vieles mehr zu gestalten.
Quilling Papier ist in gut sortierten Bastelläden oder im Internet erhältlich. Es gibt etliche Farben und Abmessungen, sowie komplette Sets mit Anleitungen für Anfänger und Fortgeschrittene.

Am schönsten ist es, die Grundformen gemeinsam in geselliger Runde zu erlernen!

Seit 2020 biete ich wieder Quilling-Workshops an, die sich mit allen Facetten dieser interessanten Technik befassen.

  • Sonderthemen, wie die Herstellung von Quilling-Schmuck oder Kunstprojekte, sind ebenfalls möglich.

Zu den Workshops ist jetzt auch ein Buch erhältlich

Während des ersten Corona-Lockdowns Anfang März 2020 nutzte ich die Zeit, mein Herzensprojekt zu beenden:

Ein Anleitungsbuch für die schöne Quilling-Technik, mit vielen Tipps & Tricks aus den unzähligen Workshops, die in den letzten Jahren stattfanden.

Der Schwerpunkt liegt auf den einfachen Grundtechniken sowie der Kombination mit Linolschnitt und Monotypie.

Ein Kapitel befasst sich mit dem Entwerfen eigener Figuren – viele farbige Abbildungen regen zu eigenen Projekten an.

Das Buch ist überall im Buchhandel oder über die Seite des Verlages (siehe unten) bestellbar, oder aber direkt bei mir in der Werkstatt erhältlich (dann gibt es auch gleich auf Wunsch eine Widmung dazu!)

Ich wünsche viel Spaß beim quillen und freue mich über kreativen Austausch!

Quilling – Voll von der Rolle
Julia Vogel
Ringbuch, 56 Seiten
ISBN-13: 9783740751142
Verlag: TWENTYSIX
Erscheinungsdatum: 08.05.2020

Der verlorene Mut

kreativ.jpg

Als Kind füllten wir ohne nachzudenken unsere Zeichenblöcke mit bunten Bildern und Malereien. Aber je länger wir die Schule besuchen und je älter wir werden, desto größer wird der Respekt vor der sogenannten „Großen Kunst“, deren Professionalität und Geldwert unsere eigene Kreativität in Frage stellt.

Waren wir anfangs noch völlig frei in unserem Schaffen, werden wir als Erwachsenen vom inneren Zensor gequält: „Das wird eh furchtbar aussehen, also lass ich es besser sein …“.

Wird unsere Phantasie nicht ermutigt oder schlimmer noch, es wird uns von außen suggeriert, Kunst sei nur etwas für Schöngeister, die eh nichts Besseres zu tun (oder gelernt) haben, dann erlahmt irgendwann der Mut zur eigenen Kreativität.

Mit Talent hat das alles wenig zu tun

Oft müssen wir als Erwachsene den Mur zum künstlerischen Ausdruck erst wiederfinden. Natürlich findet sich immer wieder jemand im Freundeskreis, der „ziemlich gut zeichnen kann“, und das ist völlig ok. Auf der anderen Seite begegnen uns immer wieder Menschen, die keinerlei künstlerische Begabung besitzen. Auch das ist völlig in Ordnung. Der Rest jedoch besitzt genügend Fähigkeiten, um sich auf kreative Weise zu betätigen – aber sie trauen sich nicht (mehr).

kunst2.jpg
(Quelle: pixabay.de)

Ich durfte in meiner Jugend, dank fördernder Eltern und Großeltern, verschiedene Arten der Kunst ausprobieren: Aquarell, Öl-, und Temperamalerei, Acryl, Pastellkreide, Rötel und Kohle, Stoffmalerei und Tuschezeichnungen. In der Fachoberschule gesellten sich die klassischen Drucktechniken dazu: Radierung, Lithografie, Siebdruck, Buchdruck und Linolschnitt.
Spaß machten mir alle Techniken. Dass ich eine von ihnen später beruflich umsetzten würde, wusste ich allerdings nicht.

Kreativität im Berufsalltag?

Um es kurz zu machen: Nach meiner Ausbildung zur Siebdruckerin in einem Schilderwerk und die Jahre danach verlor ich meine Lust am künstlerischen Ausdruck, und zwar vollständig. In den Vordergrund rückten Dinge wie der Umzug in eine WG, Geldverdienen, Karriere, Spaß mit Freunden. Für künstlerische Tätigkeiten blieb kaum noch Zeit.

Leider ergeht es vielen Menschen so. Alltag und Beruf fordern viel Zeit und Kraft, unsere Phantasie erstreckt sich oftmals nur über die Auswahl der richtigen Zutaten für ein Kochrezept. Wenn überhaupt. Das klingt pessimistisch, und glücklicherweise gibt es genügend Ausnahmen. Denn mittlerweile spüren viele Menschen, dass Arbeit nicht alles ist im Leben.

Zurück zu den Anfängen

Voraussetzung für ein gutes Druckprodukt ist eine 100%-tige, fehlerfreie Wiedergabe und Vervielfältigung. Nun versuchen Sie einmal, mit diesem Wissen jahrelanger Gesetzmäßigkeiten in den künstlerischen Bereich zu wechseln. Zum Beispiel die „Fünf gerade sein“ zu lassen, den Fleck, die unregelmäßig gedruckte Fläche als originelles Stilmittel zu akzeptieren und nicht in Schweiß auszubrechen, wenn Teilnehmerinnen begeistert ihre Kunstwerke drucken, während man selber denkt: Das kann doch kein Mensch lesen … !

Es dauerte etwa ein Jahr, bis ich diesen berufsmäßigen Perfektionismus loswurde. Geblieben ist das Wissen, das ein sauberer Arbeitsplatz und gewissenhafte Planung in der Kunst durchaus ihre Berechtigung haben und viel Stress ersparen. Wiedergefunden habe ich meine Begeisterung für die alten Drucktechniken und den Spaß am Experimentieren.

In meinen Workshops steht an allererster Stelle das Verständnis für die Technik. Diese sollte beherrscht werden, ansonsten führt das Ergebnis zu Enttäuschungen. Aber was noch wichtiger ist: Die Technik sollte einen nicht beherrschen!

Inzwischen verstehe ich die anfänglichen Schwierigkeiten vieler Teilnehmerinnen, sich auf das leere Blatt Papier einzulassen. Zu stark sind die eigenen persönlichen Standards, die Furcht vor Fehlern und Kritik. Ich ermutige sie dazu, den inneren Perfektionisten wegzusperren und einfach anzufangen, sich schrittweise die gewählte Technik anzueignen, ohne gleich ein vollendetes Kunstwerk zu erschaffen.

Und davon mal abgesehen:
Kunst ist immer Betrachtungssache. Also los, fasse wieder Mut und sei kreativ!


Wenn du mal künstlerische Druckgrafik, Papierschöpfen und viele andere schöne Dinge ausprobieren möchtest, komme mich doch in meiner Druckwerkstatt besuchen!

Eine scharfe Lanze für das ß

Man könnte meinen, daß nach der neuen Rechtschreibreform das ß ausgedient hat. Manch einer meint sogar, es herrsche seit der Reform völlige Narrenfreiheit und beleidigt unsere Augen mit Wörtern wie Fussball oder Fusspflege. Aber diese Schreibweise ich schlichtweg falsch!
Hat es den Anschein, dass (daß?) inzwischen niemand mehr weiß, wie es richtig geschrieben wird?

Eszett_inet (3)

Zum Thema „daß“ sei gesagt: „daß“ in der alten Rechtschreibung wurde vollständig durch „dass“ (neue Rechtschreibung) ersetzt.
Als zusätzliche Auffrischung empfiehlt sich ein Blick in den Duden:
„ß“ wird immer nach langen Vokalen geschrieben: Spaß, Gruß, Fuß usw.
„ss“ wird immer nach kurzen Vokalen geschrieben: Tasse, Kuss, Schluss, müssen, hassen usw.

Bislang trat das ß als einziger Buchstabe unseres Alphabets nicht als Großbuchstabe auf. Diese Frage kam nur dann auf, wenn der gesamte Text in Großbuchstaben (Versalien) geschrieben werden musste. Als Ersatz diente das SS, was jedoch zu Deutungsschwierigkeiten führen konnte (z. B. Maße und MASSE).
DAS BIER WURDE IN MASSEN GENOSSEN

Noch schlimmer war die Suche nach einer Alternative, demzufolge das SZ eingeführt wurde. Das sah dann so aus:
DAS BIER WURDE IN MASZEN GENOSSEN

Daher wurde 2008 entschieden, dem großen Eszett einen eigenen Zeichensatz zuzuteilen: Der Unicode 5.1 und später der Norm ISO-10646.
Leicht war diese Zugeständnis nicht, und in der Fachwelt entbrannten allerhand Diskussionen, ob Deutschland ein Versal-Eszett benötigt oder nicht. Schließlich entschied man sich für das große ß, aber ein Wehrmutstropfen bleibt: Denn bevor jetzt alle begeistert die Zusatzfunktion in ihren Text- oder Layoutprogramm suchen, muss leider erwähnt werden, dass es noch Jahre dauern wird, bis sich das neue Zeichen etabliert hat.
Eine Übersicht zu bereits bestehenden Computerschriften findet sich unter Wikipedia.

Ich persönlich freue mich über die Wiederbelebung des großen Eszett, da es die Typografie (noch) einen Tick ästhetischer macht.

Weitere Links:
Eine Kopiervorlage für das große Eszett wird hier angeboten: http://www.versaleszett.de/
Ein gelungenes Beispiel für das große Eszett im Schriftzug einer Zeitung: http://www.giessener-zeitung.de/global/start/
Noch mehr schöne Schriften mit Versal-Eszett im Typografie-Wiki: http://www.typografie.info/3/page/wiki.html/_/fachbegriffe/versal-eszett-in-historischen-schriften-r177

Fastfood für Redeselige – Visual Statements

Bild

Fast jede/r von uns besaß früher ein Poesiealbum oder Freundschaftsbuch, ein kleines quadratisches Büchlein mit Zitaten, Reimen oder Versen. Mal lustig oder nachdenklich, aufmunternd oder moralisierend, aber stets wohlmeinend und weise wurden sie von Freunden, Mitschülern, Familienmitgliedern oder Lehrern mit Sinnsprüchen und Widmungen gefüllt. Zusätzlich verziert mit kleinen Zeichnungen oder Ornamente erinnern sie uns an jene Menschen, mit denen wir unseren Lebensweg, zumindest vorübergehend, geteilt haben.

Heutzutage begegnen uns in den sozialen Medien diese Sprüche und Weisheiten in Form sogenannter Visual Statements. Die Themen reichen über Liebe, Träume, Reisen, Freundschaft, sie regen zum Nachdenken an oder sie bringen uns zum Lachen. Wir teilen sie bei Facebook, Instagram, Pinterest, Tumblr & Co, um uns übereinstimmend miteinander zu verbinden. Wir hängen sie als Postkarte und zur Bekräftigung unseres persönlichen Befindens über unseren Schreibtisch oder Arbeitsplatz. Denn manchmal sind es haargenau diese Bekenntnisse, für die uns sonst die richtigen Worte fehlen …

Keep-calm-and-carry-on_inet

Schön anzusehen
Virtuelle Spruchweisheiten sind optisch ansprechend gestaltet, zum Beispiel mit Portraits bekannter Persönlichkeiten, von denen der Spruch (quasi) stammt. Oder es sind typografisch gefällige Bildnisse, die unserer Seele streicheln. Jeder, der mit einem Grafikprogramm umgehen kann, ist heutzutage in der Lage, sein eigenes Wörterposter herzustellen. Auch kostenlose Programme helfen beim Erstellen und Teilen in die sozialen Netzwerke. Der Kreativität sind dabei keinerlei Grenzen gesetzt!

Keep calm!
Als Auslöser dieses Hypes wird gerne die Geschichte zu dem wohl berühmtesten Spruchbild herangezogen, dem “Keep calm and carry on”- Poster. Ursprünglich soll es aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg stammen, wo es als Plakat die Bürger in Großbritannien zum Durchalten motivieren sollte. Aufgehängt wurde es allerdings nie, stattdessen gelangte es etliche Jahre später in die Hände eines findigen Werbemannes. Das Resultat findet sich inzwischen zuhauf im Netz in den unterschiedlichsten Varianten wieder.

Zwischen künstlerischer Freiheit und Urheberrecht
Trotz aller Schaffensfreude sollte eines nicht vergessen werden: das Urheberrecht. Wer selber aktiv wird und seine Lieblingszitate visuell hübsch verpackt in die virtuelle Welt verschickt, sollte bedenken, dass Zitate aus literarischen Werken nur dann verbreitet werden dürfen, wenn deren Urheber bereits 70 Jahre tot ist (vereinfacht gesagt). Unter bestimmten Voraussetzungen ist es nämlich gestattet, ohne Erlaubnis des Urhebers die Zitate zu veröffentlichen mit der Begründung, „dass Zitate der kulturellen und wissenschaftlichen Weiterentwicklung einer Gesellschaft dienen.“ (mehr dazu unter Wikipedia). Eine Quellenangabe, soweit bekannt, sollte immer selbstverständlich sein.

Die meisten Zitate kommen von einem Kerl, der Unbekannt heißt. Wer immer das sei … er muss viel Zeit haben.
Unbekannt

Zitate zu jeder Lebenslage: http://www.dmoz.org/World/Deutsch/Wissen/Zitate/
Zitate zum Liken und Tauschen, und das passende Bild wird gleich dazugeliefert: http://gutezitate.com/